Essay von Prof. Dr. h. c. mult. Reinhold Würth
dank der engagierten Mitarbeit unserer Kolleginnen und Kollegen in der Würth-Gruppe konnte auch das Geschäftsjahr 2025, dessen Ergebnis Sie beiliegend finden, einigermaßen erfolgreich über die Bühne gebracht werden. Mit einem neuen Umsatzrekord und einem Betriebsergebnis von 970 Millionen Euro vor Steuer darf ich aus meiner Position als Ehrenvorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe hier meinen herzlichen Dank aussprechen. Intern an alle Beschäftigten, extern an all unsere Geschäftsfreunde und vor allem an die 4,5 Millionen Kundinnen und Kunden in aller Welt.
Das Jahr 2025 hat schon zu Beginn bei mir die große Sorge vor dem Ausbruch eines Weltkrieges ausgelöst, Gott sei Dank konnte in der Europäischen Union Frieden gehalten werden. Nun stehen wir am Anfang des Jahres 2026 vor dem gleichen sorgenvollen Problem.
Wenn man nur die Ereignisse der ersten 14 Tage des Januar 2026 auf sich wirken lässt, dann scheint der ganze Globus in Unruhe, Unrast und auch in grundsätzlichen Veränderungen zu sein. Schemenhaft deutet sich an, dass die Welt in drei Machtblöcke aufgeteilt werden soll, beherrscht von China, Russland und den USA.
Abstrahiert hat das Ganze auch zu tun mit der Frage nach der Tragfähigkeit unseres Planeten. In riesigen Schritten nähern wir uns einer Weltbevölkerung von zehn Milliarden Menschen – damit ist die Grenze der Versorgungsfähigkeit der Menschheit auf Dauer erreicht. Mit großer Wahrscheinlichkeit hängen diese politischen Unruhen mit der Überbevölkerung der Erde zusammen.
Nun haben wir als Bürgerinnen und Bürger der Länder, in denen wir tätig sind, die Aufgabe und die Pflicht, unser jeweiliges Heimatland zu schätzen und zum Gemeinwohl aller beizutragen. Heimatliebe und ein demokratisch geprägter Nationalstolz müssen uns begleiten.
Am Beispiel Deutschlands sehe ich auf diesem Gebiet gewisse Defizite. Das in Sondersituationen durchaus spürbare Heimat- und Liebesgefühl für dieses Land wurde zum Beispiel beim Fall der Berliner Mauer sichtbar. Das Wir-Gefühl rührte damals viele Bürger zu Tränen. Und heute? Verschiedenste Gruppierungen arbeiten daran, die einzelnen Bürgergruppen gegeneinander aufzuhetzen, hasserfüllte Demonstrationen zu platzieren, Neid und Missgunst zu säen – Deutschland wird von mächtigen Demokratiefeinden immer mehr an den Abgrund herangeführt.
Und hier komme ich zur Überschrift dieser Abhandlung: Diese Trilogie des Werdens, des Seins und des Vergehens verdanke ich dem Maler Giovanni Segantini.
In St. Moritz hängt im Segantini Museum ein Triptychon mit diesem Titel. Mich hat diese Trilogie über Dekaden begleitet und ich möchte hier nochmals darauf eingehen.
Tatsächlich unterliegt alles – ausnahmslos alles – dem Zyklus des Werdens, des Seins und des Vergehens. Ob Lebewesen, Weltreich, Kosmos, ob Wirtschaftsunternehmen und Institutionen, alles unterliegt diesem Ablauf, allerdings mit galaktischem Zeitunterschied. Dem folgend bin ich sicher, dass auch unser Unternehmen Würth irgendwann untergehen wird.
Schauen wir einige Millennien in der Erdgeschichte zurück, dann sind alle Weltreiche, ob der Mongolen, Skythen, Perser, Ägypter, Griechen, und das gewaltige Imperium Romanum dem beschriebenen Zyklus gefolgt: Auch die Herren Xi Jinping, Putin und Trump täuschen sich, wenn sie die Welt autokratisch in drei Blöcke aufteilen wollen – auch diese werden vergehen.
Lassen Sie mich von diesem großen, zeitlosen Narrativ zurückspringen nach Deutschland.
Ich selbst kann mit meinen 91 Lebensjahren die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland von Anfang an überblicken und habe alle Höhen und Tiefen miterlebt. Leider muss man feststellen, dass wir uns in diesem beschriebenen Zyklus vom Zustand des Werdens weit entfernt haben.
Die Bundesrepublik Deutschland steuert auf das Ende des Seins zu und ist in großer Gefahr, in den Modus des Vergehens zu rutschen. Der Zustand des Seins lässt sich mit den letzten zwei oder drei Centennien des Imperium Romanum vergleichen: Wohlstand, Leichtlebigkeit, Müßiggang und der Verfall der Strukturen waren damals gang und gäbe und führten in unserer Region im Jahr 495 zum Ende des Römischen Reiches, als die Franken die damalige römische Regionshauptstadt Köln erobert hatten.
Um in meinem Bild zu bleiben, befindet sich Würth heute in der Übergangsphase vom Werden zum Sein: Die Strukturen sind geschaffen, Informatik und Künstliche Intelligenz sind auf einem guten Weg, Führungsstrukturen sind wohl organisiert. Leider beobachte ich, dass man sich in vielen Fällen mit einem oder zwei Homeoffice-Tagen wohl temperiert organisiert hat, seine Pflicht tut, wie sich das gehört.
Hier deuten sich durchaus Parallelentwicklungen zwischen Unternehmen und der Bundesrepublik Deutschland an: Der Wohlstand ist da, die Work-Life-Balance verschiebt sich immer mehr auf kürzere Arbeitszeiten, mehr Urlaub, höhere Löhne bei gleichzeitig möglicher Leistungsreduzierung: Ausgeprägte Indikatoren für den Zustand des Seins, an dessen Ende der Übergang in den Zustand des Vergehens unausweichlich ist – das lehrt die Geschichte.
Deswegen appelliere ich an die Beschäftigten bei Würth, an der Wegegabel vom Zustand des Werdens die richtige Richtung zu wählen – nämlich den Zustand des Seins in weite Ferne zu schieben und auf der so lebensfrohen und optimistischen Bahn des Werdens weiterzureisen in die persönliche und auch berufliche Zukunft.
Im Vergleich Unternehmen und Staat gilt Gleiches: Bürokratieabbau, Auflösung unnötiger Führungsebenen, Förderung des Wir-Gefühls, den Hilfsbedürftigen beizustehen und vor allem Vorbildfunktion zu übernehmen. Wird dies erreicht, dann können wir mit Stolz auf eine prosperierende Bundesrepublik Deutschland schauen. Im betrieblichen Bereich setzen wir unsere solide Wachstumsdynamik fort und schieben damit in beiden Fällen den Zustand des Vergehens in eine weite Zukunft.
Fördern wir das Werden – das Sein leitet automatisch den Übergang ins Vergehen ein.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Ehrenvorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe
Grußwort von Benjamin Würth
im Geschäftsjahr 2025 haben wir unseren Kurs gehalten. In einer Welt, die von politischen Konflikten, ökonomischen Spannungen und schnellen Umbrüchen geprägt ist, wird Würth von einer starken Unternehmenskultur getragen. Das 80 jährige Firmenjubiläum erinnert uns gleichzeitig daran, dass Wandel bei Würth nie Ausnahme war, sondern Teil unserer Identität ist.
Unsere Unternehmenskultur leitet unser Handeln. Sie ist gelebter Alltag: Wir wirken miteinander, halten Zusagen, entscheiden im Sinne unserer Kundinnen und Kunden, kommen ins Tun. In einer Zeit permanenter Veränderung bleibt diese Kultur unsere Leitlinie. Die wirtschaftlichen, technologischen, digitalen und geopolitischen Rahmenbedingungen verändern sich rasant. Permanenter Wandel ist die neue Realität. Darauf richten wir unser Handeln aus. Wir arbeiten mit ihm – nicht gegen ihn.
2025 war vor allem ein Jahr der Fokussierung: auf Kundennähe und Verlässlichkeit, auf Klarheit in der Führung und auf Prozesse, die Tempo ermöglichen. Lernen findet dort statt, wo es zählt: im täglichen Tun, an der Seite unserer Kundinnen und Kunden sowie unserer Mitarbeitenden – pragmatisch, wirksam, respektvoll.
Trotz schwieriger Konjunktur haben wir einen Rekordumsatz von 20,7 Milliarden Euro erzielt und Marktanteile hinzugewonnen. Das war kein Selbstläufer, sondern Ergebnis konsequenter Priorisierung und harter Arbeit.
Im Blick nach vorne verbinden wir Hoffnung mit Anspruch. Eine Hoffnung, die ins Handeln kommt, schafft etwas, lässt Neues entstehen. Unsicherheit ist kein Grund, nachzulassen: Auch in unsicheren Zeiten bleiben wir entschlossen – umsichtig im Einsatz unserer Ressourcen und respektvoll im Umgang mit unseren Geschäftspartnern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie unseren Kunden.
Wir setzen klare Prioritäten, treffen mutige Entscheidungen und übernehmen Verantwortung, wo sie den größten Unterschied macht: nah am Menschen. Dafür vereinfachen wir, was unnötig komplex ist, gestalten Abläufe reibungsloser und schaffen Raum für persönlichen Kontakt. In einer zunehmend digitalen Welt bleiben wir, was Würth seit jeher ausmacht: partnerschaftlich, verantwortungsbewusst, verlässlich.
Worauf es ankommt, liegt in unserer Hand: wie wir zusammenarbeiten, wie schnell wir Lösungen schaffen, wie konsequent wir Verantwortung übernehmen – füreinander und für die Regionen weltweit, in denen wir zu Hause sind. Wenn wir diese Grundsätze leben, entsteht Zukunft – auch in unsicheren Zeiten.
Mein besonderer Dank gilt allen, die 2025 zu einem verlässlichen Jahr für Würth gemacht haben. Nehmen wir das Jubiläumsjahr als Ansporn: mit Demut vor dem Erreichten und der Haltung, die Würth seit 80 Jahren auszeichnet.
Mit herzlichen Grüßen
Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe
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