18.11.05

Verleihung der Ehrensenatorwürde an Prof. Dr. Reinhold Würth

Eine noch junge Tradition wird fortgesetzt - Die Universität Stuttgart lädt ein zur Jahresfeier

Im vergangenen Jahr, in dem die Universität Stuttgart ihr 175-jähriges Bestehen feierte, lud sie erstmals in ihrer Geschichte zu einer Jahresfeier ein und begründete damit eine Tradition, wie sie auch von anderen Universitäten gepflegt wird. Dieses neue Angebot, als Forum für den Gedankenaustausch zwischen Universität und Öffentlichkeit und gleichzeitig als festliche Plattform für die Vergabe von Ehrungen und Auszeichnungen, ist sehr positiv aufgenommen worden. In diesem Jahr findet die Jahresfeier am Samstag, den 12. November statt. Über 600 geladene Gäste aus Wissenschaft und Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, werden erwartet. – Vertreter/innen der Medien sind dazu herzlich eingeladen.

Zeit: Samstag, 12. November, 16.00 Uhr
Ort: Stadtmitte, Keplerstraße 17, Hörsaal 17.01

Festvortrag

Nach Grußworten des Universitätsratsvorsitzenden Prof. Berthold Leibinger, des Mittelbauvertreters Dr. Dieter Leicht und des Studierendenvertreters Robert Jacobi wird Uni-Rektor Prof. Dieter Fritsch, der das Institut für Photogrammetrie leitet, bei seinem Festvortrag über das Thema „Die Landkarte im Spannungsfeld von Internet und Multimedia“ sprechen. Anschließend werden verdiente Persönlichkeiten ausgezeichnet. Musikalisch umrahmt wird die Jahresfeier vom Akademischen Chor und Orchester der Universität Stuttgart, die nach einem Empfang bei einem den Abend beschließenden Konzert um 19.00 Uhr Auszüge aus der Schöpfung von Joseph Haydn spielen werden.

Ehrungen

Prof. Dr. h.c. Reinhold Würth, der Beiratsvorsitzende der Würth-Gruppe, wird die Ehrensenatorwürde der Universität verliehen. Reinhold Würth, Jahrgang 1935, hat die Schraubengroßhandlung seines Vaters in Künzelsau zu einem weltweit agierenden Handelsunternehmen mit über 50 000 Mitarbeitern in 81 Ländern ausgebaut. Den Bildungs- und Forschungsleistungen der Universität Stuttgart bringt der auch als Kunstmäzen hervorgetretene Industrielle sehr hohe Wertschätzung entgegen. Seit 1996 engagiert er sich in der Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Befestigungstechnik am Uni-Institut für Werkstoffe im Bauwesen. Als Beiratsmitglied des Forschungszentrums Befestigungstechnik an diesem Institut initiiert und fördert er langfristig angelegte und zukunftsweisende Forschungsprojekte mit dem Ziel, die Grundlagen für innovative Produkte zu entwickeln, die Anwendern sichere und wirtschaftliche Befestigung gewährleisten. Seminare in Zusammenarbeit mit der Universität sorgen zudem für die Aus- und Weiterbildung von Ingenieuren und Handwerkern.

Die Ehrendoktorwürde verleiht die Universität vier anerkannten Wissenschaftlern: Prof. Dr.-Ing. Walter Dilger von der University of Calgary in Kanada erhält diese Auszeichnung für seine herausragenden technisch-wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet des konstruktiven Ingenieurbaus, vor allem für die Erforschung des Tragverhaltens von Stahl- und Spannbeton, für die Anwendung im Brückenbau und für sein breites berufspolitisches Engagement. Der gebürtige Maulbronner (Jahrgang 1934) hat an der früheren TH Stuttgart Bauingenieurwesen studiert und promoviert. Aus einem zunächst für ein Jahr geplanten Forschungsaufenthalt in Calgary wurde eine erfolgreiche Karriere als Professor für konstruktiven Ingenieurbau und Brückendesign an der damals neu gegründeten Universität mit engem Kontakt zur Praxis. Die Ehrung schließt auch seinen Einsatz für das seit 26 Jahren bestehende Austauschprogramm zwischen beiden Universitäten ein.
Eine der herausragenden Persönlichkeiten der Festkörperphysik in Europa, Prof. Dr. Denis Jérome, erhält die Ehrendoktorwürde für seine Arbeiten auf dem Gebiet der organischen Leiter und Supraleiter. Denis Jérome (Jahrgang 1939), Mitglied des Solid State Physics Laboratory an der Universität Paris-Sud in Orsay und Director of Research am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS), arbeitet auf dem Gebiet der korrelierten Elektronensysteme. Den Bereich der organischen Leiter und der Supraleiter hat er nachhaltig geprägt: er gilt als einer der weltweit angesehensten und wichtigsten Vertreter dieses innovativen Gebiets der Festkörperforschung. Der erstmalige Nachweis von Supraleitung in organischen Kristallen im Jahr 1979 sicherte ihm einen Platz in allen Lehrbüchern der Festkörperphysik. Zu keiner anderen Universität in Deutschland pflegt Denis Jérome so enge Kontakte wie mit Stuttgart; dort werden organische Materialien in verschiedenen Arbeitsgruppen des Physikalischen Instituts untersucht.
Für seine besonderen Verdienste um die Thermodynamik fester und flüssiger Mischphasen wird dem Emeritus der Universität Wien, Prof. Dr. Kurt Komarek, die Ehrendoktorwürde zuerkannt. Die Arbeiten des bereits vielfach ausgezeichneten Chemikers (Jahrgang 1926) haben entscheidende Beiträge zur wissenschaftlichen Entwicklung auf internationaler Ebene geleistet. Seine Untersuchungen sind geprägt von der experimentellen Erschließung von Grundinformationen und theoretischen Arbeiten zur Atomverteilung in festen und flüssigen Mischphasen. Zahlreiche internationale Kooperationen – unter anderem mit dem Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart – beweisen das große Engagement, mit dem er sich der Wissenschaft verschrieben hat.

Prof. Egon Krause, Ph.D., Emeritus der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen, erhält die Ehrendoktorwürde für seine großen Verdienste um die Strömungsmechanik. Seine Forschungsarbeiten umfassen gleichermaßen Theorie, Experiment und numerische Simulation. Zu dem breiten Spektrum seiner Arbeiten zählen turbulente Grenz- und Scherschichten, Über- und Hyperschallströmungen, Überschallverbrennung sowie Strömungsprobleme des Verbrennungsmotors und der Medizin. Bereits 1962 begann er in den USA mit Arbeiten auf dem Gebiet der Computational Fluid Dynamics und setzte sie als einer der ersten deutschen Wissenschaftler in Deutschland mit großem Erfolg fort.

Die Ehrenmedaille der Universität Stuttgart erhält Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Jan Koch, Ordinarius für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik der Politechnika Wroclaw (TU Breslau), der sich in herausragender Weise um den wissenschaftlichen Austausch zwischen beiden Universitäten und um die deutsch-polnische Freundschaft verdient gemacht hat. Über politische Hürden hinweg hat sich Prof. Koch bereits 1978 um Beziehungen zur Universität Stuttgart bemüht. Dank seiner Initiative besteht bereits seit 1981 ein Kooperationsvertrag zwischen beiden Hochschulen. Die intensive Zusammenarbeit ist gekennzeichnet durch den beiderseitigen Austausch von Wissenschaftlern und durch eine mehr als 25-jährige Vorlesungstätigkeit von Prof. Koch im Fach Werkzeugmaschinen an der Uni Stuttgart.

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