29.06.05

ProTour - Das "Premiumprodukt"

Die UCI ProTour – eine wichtige Reform für den Radsport

Das Wort „Reform“ ist in aller Munde, doch bei manchen Institutionen geht so etwas schneller als in der Politik. Mit dem Jahr 2005 steht zumindest der Profi-Straßen-Radsport komplett neu geordnet da. Der Radsportverband Union Cycliste Internationale (UCI) hat sich zum Ziel gesetzt, durch eine Startverpflichtung der lizenzierten Teams bei den wichtigsten Rennen ein wesentlich höheres sportliches Niveau zu erreichen. Dadurch soll die Finanzierung der Rennen sichergestellt werden. Andererseits soll die ProTour zur Entwicklung des Radsports auf allen Kontinenten beitragen.
Im Jahr 2005 umfasst die ProTour insgesamt 27 Rennen und 20 Teams. Zu den Rennen zählen auch die großen Rundfahrten Tour de France, Giro d’ Italia und die Vuelta. Zusätzlich sind die 20 Teams verpflichtet, am WM-Einzelzeitfahren sowie an den WM-Straßenrennen teilzunehmen.
Die ProTour ist damit das Premiumprodukt des Radsports.

Große Vorteile durch die ProTour

Während der letzten Jahre brachten die großen Rundfahrten wie Tour de France oder auch Giro d`Italia nicht nur ein immer weiter wachsendes Zuschauerinteresse und Öffentlichkeit sondern auch durchaus negative Entwicklungen mit sich. Vor allem die großen Stars wie Jan Ullrich oder Lance Armstrong konzentrierten sich fast ausschließlich auf die Tour. Deshalb richteten auch die Teams ihre Jahresplanung zunehmend auf wenige Großereignisse aus. Dies hatte zur Folge, dass außerhalb der Tour de France die Teams selten in Bestbesetzung antraten. Oft ließen sie zudem entweder den Giro d´Italia, die spanische Vuelta oder die Tour de Suisse aus, so dass diese Rundfahrten immer stärker für die einheimischen Fahrer von Interesse war – die Top-Elite blieb den Rennen aber weitgehend fern.
Durch das Reglement der neugeschaffenen ProTour wird diese Entwicklung nun gestoppt. Die Startpflicht aller Teams bei allen Rennen wird die Attraktivität der Rennen deutlich erhöhen. Sowohl das Zuschauer- als auch das Medieninteresse wird dadurch merklich zunehmen. Der Radsport wird noch interessanter.

Vier-Jahres-Lizenzen für einen sauberen Sport

Die Rennstall-Betreiber müssen Vier-Jahres-Lizenzen für die ProTour kaufen. Im Gegenzug erhalten die Teams eine Startplatzgarantie für alle 27 Rennen der ProTour während der nächsten vier Jahre. Wichtig ist zudem eine weitere Klausel im Vertragswerk der ProTour: die Teams dürfen keinen Fahrer unter Vertrag nehmen, der innerhalb der vergangenen vier Jahre eine positive Dopingprobe abgegeben hat. Diese verschärfte Spielregel gilt für Dopingsünder, die ab 2005 überführt werden.
Das Pro-Tour Reglement sieht zudem vor, dass alle lizenzierten Teams bei allen ProTour Rennen antreten müssen. Damit soll erreicht werden, dass vor allem der Giro und die Vuelta wieder ein internationaleres Starterfeld bekommen, was den Vermarktungsmöglichkeiten sowie dem allgemeinen Faninteresse Aufschwung bringen wird.

Einfaches Punktesystem

Bisher war das Punktesystem der Rad-Weltrangliste schwer zu verstehen. Das Punktvergabesystem wird durch die Einführung der ProTour entscheidend vereinfacht:
Die meisten Punkte gibt es für einen Gesamtsieg bei der Tour de France. Damit wird das wichtigste Radrennen der Welt punktemäßig wieder über Giro d'Italia und Vuelta gestellt, die zuletzt in der Weltrangliste gleichwertig waren. Bei den Eintagesrennen wird zwischen den so genannten „Monumenten“ und sonstigen „Klassikern“ unterschieden. Die fünf Monumente sind Mailand-San Remo, die Flandern-Rundfahrt, Paris-Roubaix, Lüttich-Bastogne-Lüttich und die Lombardei-Rundfahrt. Für diese traditionsreichen Rennen gibt es entsprechend mehr Punkte als für die übrigen Eintagesklassiker.
Einzelne Etappensiege werden dagegen abgewertet. Bei Tour, Giro oder Vuelta gibt es bei jeder Etappe für das Spitzentrio drei, zwei beziehungsweise einen Punkt. Bei allen anderen Etappenrennen erhält der Tagessieger nur noch einen Punkt.
Dadurch entstehen zwei positive Effekte: die Stars können sich dadurch kaum mehr auf nur ein Großereignis, beispielsweise die Tour de France, konzentrieren.
Zum anderen entstehen dadurch auch für die so genannten „Wasserträger“ der Stars, die bei den großen Rundfahrten ausschließlich für den Kapitän fahren, neue Chancen. Wer neben den großen Rundfahrten Rennen gewinnt, landet schnell im Vorderfeld der ProTour – und steigert damit seinen eigenen Marktwert. Aufgrund der Punkteregel entspricht ein Sieg bei einem Rennen wie beispielsweise Gent-Welvegem in Punkterelation nicht weniger als 14 Etappensiegen bei der Tour de France.
Alle erzielten Punkte werden zu Beginn einer neuen Saison gestrichen, und alle Fahrer fangen bei Null an. Bei der Mannschaftswertung hat jedes Rennen der ProTour die gleiche Wertigkeit. Das bei einem ProTour-Rennen beste Team erhält 20 Punkte, das zweitplatzierte dann 19 Punkte, bis hin zum letzten Team, welches 1 Punkt erhält.

Der in der ProTour-Wertung Führende trägt das Weiße Trikot. Sollte der Weltmeister das Weiße Trikot erobern, so muss er sein Regenbogentrikot ablegen, solange er im Leader-Jersey der ProTour unterwegs ist. Wertungstrikots bei Etappenrennen, wie das Gelbe oder Grüne bei der Tour de France, gehen hingegen in der Kleiderordnung vor. Nach der Lombardei-Rundfahrt 2005 wird im Oktober der erste ProTour-Sieger geehrt.