14.09.04

Eine Demonstration von Dringlichkeit

Professor Dr. h. c. Reinhold Würth überreicht in Berlin den Würth-Preis der Jeunesses Musicales Deutschland an Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker

Künzelsau/Berlin. Die Berliner Philharmoniker gelten als das beste Orchester der Welt. Seit 122 Jahren gibt es sie. In diesem Ensemble spielen die bestausgebildeten, renommiertesten und höchstbezahlten Musiker. Der Focus beschreibt die Berliner Philharmoniker als "einsame Spitze" und "musikalische Großmacht".

Seit zwei Jahren haben die Philharmoniker einen neuen Dirigenten: Sir Simon Rattle. Das Publikum liebt den neuen Maestro. Manche sagen, jetzt sind sie wieder die Besten. Der Brite hat bei den Philharmonikern seit seinem Amtsantritt einen Generationswechsel vollzogen. Mit Sir Simon Rattle ist das Ensemble jünger und internationaler geworden. Die Jugend liegt ihm daher besonders am Herzen. Auf seine Initiative hin wurde das Education Program der Berliner Philharmoniker ins Leben gerufen - mit dem Ziel, die Arbeit des Orchesters und seine Musik einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen. Menschen aller Alterstufen, unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft und Begabung sollen für eine aktive und schöpferische Auseinandersetzung mit Musik begeistert werden.

Am vergangenen Samstag, 11. September 2004, nahm Sir Simon Rattle bei einer Feierstunde in der Berliner Philharmonie in Anerkennung des Education Programms "Zukunft@BPhil" der Berliner Philharmonikern den diesjährigen Würth-Preis der Jeunesses Musicales Deutschland (JMD) entgegen. Stifter Professor Dr. h. c. Reinhold Würth, Vorsitzender des Beirats der Würth-Gruppe, überreichte die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung mit den Worten: "Ich bewundere Sie. Ihr Engagement gemeinsam mit jungen Menschen Zukunft zu bauen, hat mich geradezu elektrisiert".

"Zukunft@BPhil" basiert auf unterschiedlichen Projekten, die alle in das laufende Programm der Berliner Philharmoniker eingebunden sind. Mit diesem Programm geben die Musiker seit der Spielzeit 2002/2003 ein weithin sichtbares Vorbild für attraktive Konzepte, welche besonders Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Konzertsaal auf zeitgemäße und kreative Weise ermöglicht.

"Solche wertvollen Initiativen sind nichts Geringeres als Zukunftsinvestitionen für unsere Musikkultur", begründete Hans-Herwig Geyer, Vorstand der Jeunesses Musicales Deutschland die Zuerkennung des Preises. Geyer dankte dem Stifter Professor Reinhold Würth, der seine unternehmerische Verantwortung bereits zu einer Zeit manifestiert habe, als die neudeutschen Begriffe wie Corporate Behavior und Corporate Citizenship noch nicht zum Standard deutscher Unternehmenskultur gehörten.

Das ausgezeichnete Projekt "setzt einen leuchtenden Kontrapunkt gegen die Vernachlässigung der musikalischen Bildung unserer Kinder und Jugend", würdigte Norbert Lammert, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, in seiner Laudatio das beispielgebende Engagement des deutschen Spitzenorchesters.

Lammert bemängelte jedoch, dass über die musikalische Bildung in Deutschland mit seinen 130 professionellen Orchestern, 150 öffentlichen Museen, 37 Festspielhäusern und 1000 öffentlichen Musikschulen viel zu wenig geredet werde. Das sei jedoch nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite zeige eine schleichende Erosion der kulturellen Bildung in Deutschland mit katastrophalen Folgen, die offenbar niemand wahrnehmen möchte. Selbst wenn man die Begeisterung, so Lammert, für die klassische Musik nicht teile, sei die kulturelle Ausbildung genau so wichtig wie jene in anderen Disziplinen. Dass dies möglich sei, zeige das Education Program "Zukunft@Bphil". Bundestagsvizepräsident Norbert Lammert dankte daher auch dem Stifter des Preises, Professor Reinhold Würth, für sein bürgerschaftliches Engagement und für diese "Demonstration der Dringlichkeit".

Für unser Team, so Sir Simon Rattle in seiner Dankesrede, sei diese Auszeichnung eine wunderbare Sache. Das Wichtigste aber sei, der feste Glaube an die Zukunft unserer Jugend.

Die Jeunesses Musicales Deutschland zeichnet seit 1991 in Verbindung mit der von Reinhold und Carmen Würth gegründeten Stiftung Würth Persönlichkeiten, Ensembles und Projekte des Musiklebens aus, die in vorbildgebender Weise Ziele verwirklichen, für die sich die JMD einsetzt. Unter den bisherigen Preisträgern finden sich so berühmte Namen und Ensembles wie Dennis Russel Davies (1991), Yakov Kreizberg (1996), Junge Deutsche Philharmonie (1997) oder Claudio Abbado (2001). Die Verleihung des Preises an die Berliner Philharmoniker steht in Zusammenhang mit der JMD-Initiative "Konzerte für Kinder", die seit 2000 wirkungsvolle Impulse ins Musikleben gegeben hat.

Die anschließende Generalprobe der Berliner Philharmoniker im Großen Saal, welche die Gäste der Preisverleihung live miterleben konnten, geriet zu einer eindrucksvollen Demonstration der Extraklasse der Berliner Philharmoniker.