14.09.04

Dauerhafte Partnerschaft statt populistischer Eintagsfliege

Schloss-Gymnasium Künzelsau und die Adolf Würth GmbH & Co. KG unterzeichnen erste Lernpartnerschaft in der Region Hohenlohe

Künzelsau. Nicht nur für die Schüler auch für die Lehrkräfte am Schloss-Gymnasium in Künzelsau war der Start ins neue Schuljahr am Montag ungewöhnlich spannend. Um 9 Uhr hatte Rektorin Bärbel Dietz zu einer Gesamtlehrerkonferenz in den Speisesaal geladen. In großer Runde begrüßte sie nicht nur das 35-köpfige Lehrerkollegium, sondern gleich mehrere Vertreter aus der freien Wirtschaft. Thema der außerplanmäßigen Lehrerkonferenz war eine Kooperationsvereinbarung zur Lernpartnerschaft "Schule und Wirtschaft" zwischen der Adolf Würth GmbH & Co. KG und dem Schloss-Gymnasium Künzelsau.

Die Lernpartnerschaft "KURS 21 - Schulen unternehmen Zukunft" ist ein Gemeinschaftsprojekt des Instituts Unternehmen & Schule und des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt, Energie. KURS 21 steht für Kooperationsnetz Unternehmen der Region und Schulen unter dem Leitgedanken der Nachhaltigkeit. Schirmherrin ist die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan. In Baden-Württemberg existieren mittlerweile 19 Lernpartnerschaften, das Projekt zwischen dem Handelsunternehmen Würth und dem Schloss-Gymnasium ist das erste in der Region Hohenlohe.

"Wir sind einen weiten Weg gegangen, aber wir sind uns klar geworden, dass es neuer Ideale bedarf, weil Vieles nicht ideal ist", bemerkte Bärbel Dietz gleich zu Beginn der kleinen Feierstunde und spielte damit sowohl auf die Dringlichkeit eines solchen Projekts als auch auf die anfangs etwas schwierige Annäherung von Schule und freier Wirtschaft an. Inzwischen sind die Geburtskrankheiten beiseite geräumt und die Rektorin forderte Lehrer wie Wirtschaftsvertreter auf, gegenseitig voneinander zu lernen. Gemeinsam mit Bernd Herrmann, Geschäftsführer der Adolf Würth GmbH & Co. KG und Thomas Weise vom Institut "Unternehmen & Schule" unterzeichnete die Rektorin des Schloss-Gymnasiums anschließend die Kooperationsvereinbarung zu diesem Gemeinschaftsprojekt.

Das KURS 21-Konzept sieht vor, dass Schüler während ihrer Schullaufbahn immer wieder aus der Perspektive unterschiedlichster Fächer wie Physik, Technik, Gemeinschaftskunde/Politik, Sprachen, Mathematik, Informatik oder auch Kunst Einblicke in die Arbeitswelt des benachbarten Partnerunternehmens erhalten. Inhaltlich stehen in den Lernpartnerschaften wirtschaftliche, ökologische oder soziale Aspekte des Wirtschaftens im Mittelpunkt. Hinzu kommen aber auch Themen zur Berufsorientierung und Berufsfindung.

Thomas Wagner, Ausbildungsleiter bei der Adolf Würth GmbH & Co. KG, sprach von einem "Meilenstein in der Region" und machte deutlich, dass dieses Engagement für das Unternehmen Würth keine populistische Eintagsfliege sei, sondern Würth eine dauerhafte Partnerschaft anstrebe. Ziel sei es, Schülerinnen und Schülern des Schloss-Gymnasiums die reale Arbeitswelt am Beispiel es Unternehmens Würth näher zu bringen. "Veränderungen im Bildungswesen", so Wagner, "ermöglichten eine wesentlich verbesserte Grundlage für eine gemeinsame Entwicklung und Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen". Die bessere Vernetzung von Schule, Wirtschaft und Arbeitswelt ist auch ein besonderes Anliegen von Professor Reinhold Würth. Seit Jahren bereits engagiert sich daher das Unternehmen in den verschiedensten Schulen in der Region.

Das Projekt ziele auf den Regelunterricht und sei langfristig angelegt, erklärte Thomas Weise vom Institut "Unternehmen & Schule". Weise: "Wir wollen kein Strohfeuer von Aktionen. Nachhaltigkeit steht für uns im Mittelpunkt".

Die Überraschung zum Schulstart jedenfalls war Rektorin Bärbel Dietz gelungen. Beide Seiten diskutierten im Anschluss an die Kooperationsvereinbarung eifrig ein ganzes Bündel denkbarer Ansätze und Ideen zur Umsetzung.