Dreifach-Weltmeister Markus Eisenbichler über Seefeld, sein "normales" Leben und die nächste Saison

Seit 2011 startet Skispringer Markus Eisenbichler im Weltcup. Der 27-jährige hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert und mittlerweile in der absoluten Weltspitze etabliert. In diesem Winter belegte er bei der Vierschanzentournee den zweiten Platz in der Gesamtwertung und gewann bei der Weltmeisterschaft in Seefeld drei Goldmedaillen. Wir haben „Eisei“, wie er mit Spitznamen genannt wird vor dem letzten Weltcup der Saison in Planica (Slowenien), einige Fragen gestellt und interessante Antworten bekommen.

Sportsline: Herzlichen Glückwunsch zur grandiosen WM in Seefeld. Wie fühlt man sich als dreifacher Weltmeister?

Wenn ich ganz ehrlich bin, auch nicht anders als zuvor, weil ich noch gar nicht so richtig begriffen habe, dass das alles wirklich passiert ist. Das kommt vielleicht dann im Anschluss an die Saison. Aber natürlich freue ich mich unheimlich, wenn ich an die WM in Seefeld und die vielen schönen Momente denke.

Sportsline: Sie haben in diesem Winter mehrere Podiumsplätze belegt und bei der Vierschanzentournee den zweiten Rang in der Gesamtwertung. Mit einem Weltcupsieg im Einzel hat es aber bisher noch nicht geklappt. Wie lange müssen wir darauf noch warten?

Wie lange es dauert, dass weiß ich nicht. Vielleicht gelingt mir ja der erste Sieg schon beim letzten Weltcup in Planica (Anmerkung der Redation: Markus Eisenbichler gewann tatsächlich in Planica das erste Mal ein Einzelspringen). Die Saison war auf jeden Fall unheimlich erfolgreich und für mich persönlich sehr zufriedenstellend.

Sportsline: Wie verbringen Sie Ihren Urlaub im Anschluss an die anstrengende Saison?

Da habe ich bis jetzt noch keine Ahnung, da ich noch nichts gebucht habe. Ich werde erstmal zu Hause ankommen und mein „normales“ Leben genießen, was mit Freunden, meiner Freundin und der Familie machen. Ob ich dann überhaupt in den Urlaub fahre oder nicht, entscheide ich kurzfristig. Direkt im Anschluss an die Saison befasse ich mich noch mit der Planung für die kommende Saison, welche Termine, Trainingslager etc. anstehen, damit ich dann Ende April entspannter in die Vorbereitung starten kann.

Sportsline: Was sind Ihre Ziele für die kommende Saison und die nächsten Jahre? Geht der Blick schon in Richtung Olympische Spiele 2022 in Peking?

Nein, bis jetzt nicht. Mein Plan geht aktuell bis zur Heim-WM 2021 in Oberstdorf. Das wird für mich ein absolutes Highlight, bei dem ich dann als amtierender Weltmeister und Titelverteidiger von der Großschanze auf jeden Fall starten darf. Ich hoffe, dass ich dann auch eine gute Form habe, um vorne mitzuspringen. Ob ich über die WM 2021 hinaus noch weiter mache oder nicht, werde ich erst im Anschluss entscheiden. Da ist momentan alles offen.

Sportsline: Nach elf sehr erfolgreichen Jahren hat Bundestrainer Werner Schuster seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängert. Welchen Anteil hat er an Ihren Erfolgen und was bedeutet dieser Weggang für Sie persönlich und das deutsche Skispringen insgesamt?

Werner Schuster hat im deutschen Skispringen unheimlich viel bewegt. Er hat ein sehr gutes System aufgebaut, von unten angefangen bis ganz nach oben. Ich habe das selbst von Anfang an miterlebt. Zuerst im C-Kader, später dann im B-Kader und jetzt in der Nationalmannschaft. Dieses System hat sich über die Jahre hinweg bewährt, egal ob bei Severin Freund, Richard Freitag, Andreas Wellinger oder jetzt bei Karl Geiger, Stephan Leyhe und mir. Das war also keine einmalige Sache, sondern zeigt, dass die Arbeit auf breiten Füßen steht und funktioniert.

Deshalb hätten wir natürlich gerne mit Werner Schuster weitergemacht und sind jetzt ein bisschen am Grübeln wie es weitergeht. Aber ich vertraue dem DSV, dass eine geeignete Konstellation gefunden wird und wir auch weiterhin ein gutes Trainerteam haben, um an die bisherigen Erfolge anknüpfen zu können. Wir Sportler werden auf jeden Fall alles dafür tun, damit es klappt.

Die Bilanz von Werner Schuster ist wirklich makellos – bis auf den Sieg bei der Vierschanzentournee, den wir ihm leider nicht erfüllen konnten – hat er alles gewonnen. Aber er kann sicherlich zufrieden abtreten und das gönne ich ihm von ganzem Herzen. Und vielleicht kommt er ja auch wieder zurück, man weiß ja nie.

Vielen Dank für das Gespräch!