Denise Herrmann über ihren Wechsel vom Langlauf zum Biathlon

Bei der Biathlon-WM 2019 in Östersund gewann Denise Herrmann die Goldmedaille in der Verfolgung. Und das, obwohl sie erst 2016 vom Langlauf zum Biathlon gewechselt ist. Sportsline hat die 30-jährige Sportsoldatin zum Interview getroffen und interessante Antworten erhalten.

Sportsline: Sie haben 2014 bei den Olympischen Spielen in Sotschi Bronze mit der Langlaufstaffel gewonnen. Trotz dieses Erfolgs sind Sie 2016 zum Biathlon gewechselt. Wie schwer oder leicht ist Ihnen die Entscheidung gefallen und was waren die Gründe für den Wechsel?

Keine Frage: Ich habe im Langlauf eine sehr intensive und schöne Zeit erleben dürfen. Vor allem die Bronzemedaille mit der Staffel in Sotschi war eines der absoluten Highlights in meiner Karriere. Gemeinsam mit den Mädels auf dem Siegerpodest zu stehen, das war einfach unbeschreiblich. Aber nachdem es in der Saison 2015/16 nicht so gelaufen ist, wie ich mir das vorgestellt hatte, wollte ich noch einmal etwas Neues probieren. So eine Entscheidung trifft man natürlich nicht leichtfertig. Den Gedanken an einen Wechsel hatte ich schon länger. Aber ich wollte mich später auch nicht fragen müssen: Warum hast du es nicht zumindest mal ausprobiert? Am Ende hat einfach der Reiz des Neuen überwogen. Und bis jetzt habe ich diese Entscheidung auch nicht bereut.

Sportsline: Als ehemalige Langläuferin bestimmen Sie bei Wettkämpfen regelmäßig das Tempo in der Loipe. Wie gestalten Sie das Training, um auch beim Schießen mit den Besten mithalten zu können? Gibt es Extraeinheiten am Schießstand?

Stimmt schon. Laufen war jetzt nie so wirklich mein Problem, und als Quereinsteiger ist es ganz automatisch so, dass der Schwerpunkt erst einmal auf dem Schießen liegt. Das heißt aber nicht, dass ich mich beim Langlaufen entspannt zurücklehnen kann. Die Laufform kommt ja auch nicht einfach so automatisch, ohne Training. Neben den Handlungsabläufen am Schießstand habe ich in letzter Zeit auch viel mit meinem Mentaltrainer gearbeitet. Im Biathlon spielen die Gedanken einfach eine viel größere Rolle. Das ist schon noch mal eine andere Nummer als wenn es beim Laufen nicht klappt. Wenn du mal über mehrere Wettkämpfe hinweg nicht gut triffst, dann kommt man schnell in eine negative Spirale, aus der es gar nicht so einfach ist, wieder herauszufinden. Prinzipiell kann ich vor allem bei den Schießzeiten, sicherlich noch einiges herausholen. Da haben die Mädels, die seit vielen Jahren schießen, einfach noch einen Vorteil. Aber daran habe ich im Sommer richtig hart gearbeitet. Ich hoffe, dass ich das unter Wettkampfbelastungen und verschiedenen Druck- und Wettersituationen auch abrufen kann.

Sportsline: 2019 sind Sie Weltmeisterin in der Verfolgung geworden. Bedingt durch diesen Erfolg und das Karriereende von Laura Dahlmeier stehen Sie mehr denn je im Fokus der Öffentlichkeit. Wie gehen Sie damit um?

Ich weiß, was ich kann. Und ich bin mir schon bewusst, dass ich in diesem Jahr mehr im Fokus stehen werde als im vergangenen Jahr. Aber wir haben im Team viele starke Sportlerinnen, die alle auf das Podest laufen können und die das in der Vergangenheit auch immer wieder bewiesen haben. Wichtig ist, dass wir als Mannschaft an jedem Wochenende, bei jedem Rennen jemanden haben, der um die vorderen Plätze mitkämpfen kann. Und ich hoffe natürlich, dass mir das auch möglichst oft gelingt.

Sportsline: Wie ist Ihre Vorbereitung auf die neue Saison gelaufen? Was sind die Ziele für diesen Winter?

Alles in allem bin ich wirklich sehr gut durch die Vorbereitungsphase gekommen. Ich habe das volle Pensum trainieren können und mich eher immer ein wenig zurückhalten müssen, um am Ende nicht bei den Umfängen und der Intensität über die Stränge zu schlagen. Natürlich wäre es toll, wenn ich an die Erfolge vom vergangenen Winter anknüpfen könnte. Aber dazu muss wieder alles passen. Am Ende ist es für mich wichtig, dass ich in möglichst vielen Rennen mein Potential ausschöpfe. Was am Ende für Ergebnisse herauskommen, sehen wir dann.

Sportsline: Während der Saison ist mit zehn Weltcupstationen und insgesamt 36 Rennen ein enormes Pensum zu absolvieren. Wie können Sie am besten abschalten und sich erholen, wenn es die Zeit zulässt?

Wir sind ja ständig auf Reisen und schlafen viel in Hotels. Da genieße ich es natürlich auch mal, in meinen eigenen vier Wänden zu sein. Dann koche ich was Schönes und setz mich mit einem guten Buch auf die Couch. Aber richtig Erholung ist erst im Frühjahr angesagt. Meistens zieht es mich irgendwo an den Strand, um mich nach einer emotionsreichen Saison mal komplett zu entschleunigen.

Sportsline: Geht Ihr Blick schon in Richtung Olympische Spiele 2022 in Peking? Wie stehen Sie zu Peking als Austragungsort von Winterspielen?

Olympia ist definitiv noch ein großes Ziel für mich. Auch die WM 2023 in Oberhof würde ich aktuell nicht kategorisch ausschließen. Aber ich muss einfach schauen, wie es bis dahin meinem Körper geht. Was Peking betrifft, bin ich in erster Linie neugierig. Das ist zwar kein Ort, den man als typische Wintersportdestination kennt. Aber bevor ich mir bei den vorolympischen Wettbewerben kein eigenes Bild gemacht habe, kann ich aktuell nicht so wirklich einschätzen was da auf uns zukommt.

Vielen Dank für das Interview