18.09.06

1. Schultag in der „Freien Schule Anne-Sophie“

Künzelsau. Mit Beginn des neuen Schuljahres 2006/2007 fiel mit der offiziellen Eröffnungsfeier am Montagmorgen (18. September 2006) auch der Startschuss für die ersten Schüler der Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau. Unter dem Jahresmotto für das neue Schuljahr „miteinander leben, voneinander lernen, füreinander dasein“ betraten die 48 Grundschüler die neuen „Lernräume“, die vorläufig in der ehemaligen Landwirtschaftsschule am Zollstockweg in Künzelsau untergebracht sind.

Franz Zipperle, Geschäftsführer der gemeinnützigen Stiftung Würth, die Trägerin der Freien Schule Anne-Sophie ist, begrüßte die Gäste der Eröffnungsfeier mit einem Zitat von Martin Luther: „Wenn die Schulen zunehmen, dann steht´s wohl im Land.“ Bettina Würth, Vorsitzende des Beirats der Würth-Gruppe und Initiatorin der Schule, bedankte sich bei den Kindern und den Eltern für das entgegengebrachte Vertrauen. „Ich wünsche mir, dass diese erste Schülergeneration, die heute hier startet, auch wirklich das erfährt, was wir uns in unseren vielen Überlegungen vorgestellt haben.“, blickte sie in die Zukunft der Initiative. Auch Professor Dr. h. c. Reinhold Würth, Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe, überbrachte seine Glückwünsche:
„Wenn diese Kinder später über ihre Schulzeit berichten und sagen können, die Zeit in der Anne-Sophie-Schule, das war die schönste Zeit meiner Jugend, meines Lebens, dann haben wir enorm viel bewegt.“ Wolfgang Schiele, leitender Regierungsschuldirektor im Regierungspräsidium Stuttgart sowie der Bürgermeister der Stadt Künzelsau, Volker Lenz gaben der Schule bei ihren Grußworten die besten Wünsche mit auf den Weg.

Das Rahmenprogramm für die Eröffnungsfeier wurde von den Schulkindern und Lehrern gestaltet. Der lebendige Liedbeitrag der Kinder „Aufstehn, aufeinander zugehn, voneinander lernen, miteinander umzugehen“ sowie die Vorstellung des Jahresmottos mittels einer akustisch - rhythmischen Darbietung durch das Lehrerkollegium stimmten auf den 1. Schultag ein.

Das pädagogische Grundkonzept

Mit der schriftlichen Niederlegung der pädagogischen Konzeption wurde Professor Richard Meier, einer der profiliertesten Schulexperten Deutschlands beauftragt. Vorbild für die Lernarbeit in der Freien Schule Anne-Sophie war die Bodensee-Schule St. Martin in Friedrichshafen. Der Gedanke von Maria Montessori „Hilf mir, es selbst zu tun“ steht im Mittelpunkt von Erziehung und Unterricht und bedingt unweigerlich ein verändertes Rollenverständnis zwischen Lehrern und Schülern. Ziel dieser neuen Art des Lernens ist die Förderung eines jeden Schülers von seiner individuellen Ausgangslage aus. „Jedes Kind, das diesen neuen Lernweg beschreitet, soll die Freie Schule Anne-Sophie als Gewinner verlassen!“, so der Wunsch von Bettina Würth.
Leiterin der Freien Schule Anne-Sophie ist Ulrike von Klitzing, die bisher die staatliche Reinhold-Würth-Grundschule in Künzelsau-Gaisbach geleitet hat und über einen reichen Erfahrungsschatz in der Pädagogik und Didaktik der Grundschule verfügt. „Jetzt setzen wir mehr als ein volles Jahr intensiver und zukunftsweisender Planung und Vorbereitung in die praktische Arbeit mit den Kindern um!“, freut sich Frau von Klitzing.

Unterschiede gegenüber der klassischen Unterrichtsmethode

Der grundlegende Unterschied zur klassischen Unterrichtsmethode liegt in der individuellen Lernarbeit der Schüler. Die Schüler lernen alleine oder in Gruppen. Mehr als zwei Drittel der gesamten Lernzeit sind hierfür vorgesehen. Es gibt keinen starr geregelten Stundenplan mit zeitlich genau festgelegten Unterrichtseinheiten von 45 Minuten. Jede Woche wird ein neuer Wochenplan ausgearbeitet. Dieser ist nicht nach Fächern unterteilt, sondern bestimmt die notwendigen Arbeitsschwerpunkte für die einzelnen Schüler und die Gruppe. Die unterschiedlichen Lernphasen sind dabei rhythmisch gegliedert: Freie Stillarbeit, vernetzter Unterricht und Projektarbeit. Konzentrierte Ruhe, gemeinschaftliches Lernen und körperlicher Ausgleich finden so in einem gesunden Wechsel Platz.
Ein weiterer deutlicher Unterschied zum klassischen Schulsystem liegt in der Leistungsbewertung der Schülerinnen und Schüler. Es gibt keine „Noten“ im herkömmlichen Sinn. Dem reformpädagogischen Schulsystem geht es darum, die umfassende ganzheitliche Entwicklung eines Kindes darzustellen und nicht standardisiertes Wissen.

Die Freie Schule Anne-Sophie startete am 18. September zunächst mit zwei Gruppen der Grundschule, bestehend aus den ersten drei Jahrgängen, die dann im Folgejahr auf alle vier Jahrgänge ausgebaut werden. Geplant ist auch eine Erweiterung der Grundschule um die Sekundarstufe I und II. Die Schülerinnen und Schüler der Freien Schule Anne-Sophie können somit ihre schulische Laufbahn komplett mit einem staatlich anerkannten Haupt- und Realschulabschluss oder auch dem Abitur (dreijährig) abschließen.