10.02.09

Internationales interdisziplinäres Symposium zum Abschluss der fünfjährigen Restaurierungsarbeiten der Cappella Palatina in Tübingen und Palermo eröffnet neue Epoche wissenschaftlicher Recherchen

Wissenschaftler diskutieren unter dem Titel „Overlay of Plans - Die Palastkapelle der normannischen Könige in Sizilien“ Fragestellungen zur Bau-, Ausstattungs- und Restaurierungsgeschichte der Cappella Palatina in Palermo / Kooperation der Universitäten Tübingen und Palermo / Stiftung Würth finanziert wissenschaftlichen Austausch

Künzelsau / Tübingen / Palermo. Als Beginn einer neuen Epoche wissenschaftlicher Recherchen haben internationale Wissenschaftler das Symposium unter dem Titel „Overlay of plans. Die Palastkapelle der normannischen Könige in Sizilien“ bewertet. Unter der Schirmherrschaft der Universitäten Tübingen und Palermo gingen Referenten aus den USA, der Schweiz, Italien und Deutschland vier Tage lang zentralen Fragestellungen zur Architektur, Kunst, Geschichte, Liturgie und Restaurierung der Cappella Palatina nach. In der Abschlussdiskussion unter der Leitung von Gerhard Wolf, Direktor des Kunsthistorischen Instituts in Florenz - Max-Planck-Institut, wurde diese interdisziplinäre Herangehensweise als modellhaft bezeichnet.

Die Cappella Palatina, die Hofkapelle der Normannen in Palermo, ist eine Kostbarkeit unter den wenigen Bauten des 12.Jahrhunderts mit vollständig erhaltener Gesamtausstattung. Dass an der Dekoration der Kapelle gleichzeitig griechische Mosaizisten, arabische Maler, sizilianische und süditalienische Baufachleute und Steinmetze mitgewirkt haben sollen, wurde nie ernsthaft bezweifelt. Das Bauwerk gilt als einzigartige Kunstsynthese. Wie sich indes die Zusammenarbeit der Künstler verschiedener Nationen abgespielt hat und was für Inhalte mitgeteilt werden sollten, ist seit einem halben Jahrhundert Gegenstand lebhafter Diskussion. Durch die grundlegende Restaurierung und Sanierung der Wandmosaiken, der Marmorböden, der hölzernen Decke des Hauptschiffes, der Fenster und Rahmungen sowie der Unterkirche wurde nicht nur der Erhalt der Kapelle gesichert. Die chemische Analyse einzelner Materialien, ein exakter Aufriss der Unterkirche mittels neuer digitaler Messmethoden sowie eine Analyse der künstlerischen Rhetorik auf Basis der gereinigten Kunstwerke geben neue Hinweise auf Entstehung und Baugeschichte des mittelalterlichen Gebäudes.

Das Symposium, an dem auch Studenten aus Italien, Deutschland und zahlreiche weitere interessierte Zuhörer teilnahmen, war von Professor Dr. Thomas Dittelbach (Bern) organisiert worden. Unterstützt wurde die Tagung von der Stiftung Würth. Würth Italien und die gemeinnützige Stiftung Würth hatten im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der sizilianischen Landesregierung die Sanierung der Kapelle mit rund 2,5 Millionen Euro unterstützt, nachdem diese bei einem Erdbeben im Jahr 2001 schwer beschädigt worden war. In mehr als 800 Arbeitstagen hatten Restauratoren, Handwerker und Techniker die Kapelle im Außenbereich sowie auch im Innenraum mit ihren goldgrundigen Mosaiken, wertvollen Malereien und kostbaren Böden wiederhergestellt. Seit Mitte Juli 2008 ist die Cappella Palatina wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die Vorträge des Symposiums werden in einem Tagungsband publiziert, der im Swiridoff-Verlag erscheinen wird.