„Es geht um Teamgeist, Fair Play, Verantwortung und um Leistung. Aber ein vierter Platz muss auch gefeiert werden.“

Sportler Uwe Rüdel

Uwe Rüdel, Athlet der Special Olympics Deutschland (SOD)

Dieser Mann ist topfit. Kaum eine Sportart, die er nicht betreibt, kaum eine Herausforderung, der er sich nicht stellt. Uwe Rüdel schwimmt, kickt und spielt Tischtennis. Der 49-Jährige ist Mitglied im Reitverein. Triathlon begeistert ihn. Leidenschaftlich fährt er Fahrrad. „Da bin ich gut“, sagt er, „sehr gut sogar“ und lacht. Seit über 20 Jahren lebt Uwe Rüdel im Bruderhaus Diakonie, einer betreuten Einrichtung für behinderte Menschen in Fluorn-Winzeln im Landkreis Rottweil. Rüdel ist von Geburt an „behindert“, wie er selbst sagt. Geistig behindert. So kann er seinen Vor- und Nachnamen schreiben, „aber lesen kann ich nicht“.

Für seine Hobbys ist das nicht relevant. Da sind andere Techniken vonnöten. Zwei Mal pro Woche treibt Rüdel abends Sport, nachdem er seine Arbeit in der Hausmeisterei im Bruderhaus beendet hat. Meistens trainiert er mit Ehrgeiz, oft mit Ausdauer, immer aber mit Ellen Maier. Die Gymnastik- und Sportlehrerin betreut ihren Schützling seit über 20 Jahren und hat ihn auf mehrere Special Olympics Spiele vorbereitet.

Ellen Maier

Ellen Maier, Trainerin von Uwe Rüdel

Ellen Maier und Uwe Rüdel waren bei den Nationalen Spielen in Karlsruhe dabei. Das ist anspruchsvoll. Alle Special Olympics Wettbewerbe spiegeln die Werte und Standards der olympischen Bewegung wider. Es gibt Qualifizierungen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Nur wer diese Vorentscheidungen besteht, darf bei den Spielen dabei sein. Die nächsten Special Olympics World Summer Games finden 2011 in Athen statt.

Sport ist für Uwe Rüdel mehr als nur Bewegung, mehr als Muskelaufbau, Ausdauer- und Krafttraining, mehr als die Verbesserung seiner motorischen Fähigkeiten. Sport ist „eine ganz wichtige Motivationshilfe für den Alltag“, weiß Sportlehrerin Ellen Maier. Sport ist Beziehungsarbeit, dient dem Aggressionsabbau und spornt zu Leistungen an. Rüdel ist ehrgeizig. Er liebt es, auf dem Siegertreppchen zu stehen. Seine Gold-, Silber- und Bronzemedaillen hütet er wie kostbare Trophäen. Doch er sagt: „Beim Sport geht es um Teamgeist, Flair Play, Verantwortung und um Leistung. Aber ein vierter Platz muss auch gefeiert werden.“

Begegnungen in der Gemeinschaft sind wesentlicher Teil der Special Olympics. Rüdel erinnert sich an zahlreiche Wettbewerbe, an Sportstätten und Städte in fremden Ländern, an die Begegnungen mit zahlreichen Prominenten. Beispielsweise traf er in München Arnold Schwarzenegger, den Filmstar und kalifornischen Gouverneur, dessen Schwiegermutter Eunice Kennedy Shriver 1968 Special Olympics ins Leben gerufen hat. Dem Rennrodler Georg Hackl ist er begegnet und hat sich ein Autogramm ergattert. Mit Eberhard Diepgen, dem früheren Regierenden Bürgermeister von Berlin hat er bei der Eröffnung der Nationalen Spiele 2006 in der Bundeshauptstadt ganz unkompliziert geplaudert. Lebhaft erinnert sich Rüdel an die Begegnung mit dem Schwimmer Michael Groß, der in den 80ern dreimal olympisches Gold gewonnen hatte, an viele, viele Wettbewerbe mit anderen Special Olympics Athleten und an Begegnungen mit deren Betreuern.

Uwe Rüdel und Carmen Würth

Carmen Würth, Vizepräsidentin im Präsidium von Special Olympics Deutschland mit Uwe Rüdel

Kontaktfreudig ist er durch den Sport geworden, attestiert ihm Trainerin Ellen Maier. „Lasst mich gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen kann, so lasst mich mutig mein Bestes geben“, lautet der Eid der Sportler, die bei Special Olympics an den Start gehen. Für Uwe Rüdel ist dieser Eid zu seinem Lebensmotto geworden. Verloren hat er nur die Scheu vor Menschen. Gewonnen aber hat er sein Selbstbewusstsein.